Kinodokumentarfilm

DIE GENTRIFIZIERUNG BIN ICH: BEICHTE EINES FINSTERLINGSIn Produktion

2013 gewann an der Urne die „Initiative gegen die Masseneinwanderung“ (MEI), deren Vertreter behaupten, die Bevölkerung litte an „Dichtestress“. Vergleicht man die Schweizer Städte mit richtigen Metropolen, so erscheint die Aussage als blanker Unsinn. Real dagegen ist die Zersiedelung sowie die Wohnungsknappheit in Zentren wie Genf und Zürich.
Der essayistische Episodenfilm entfaltet sich entlang autobiographischer Wohnsituationen des Autors. Er rekonstruiert mit Archivmaterial helvetische Selbstwahrnehmung und konfrontiert sie mit der Lebensrealität von Metropolen wie Mexiko Stadt, São Paulo oder Saigon. Er zeigt Praxen Schweizerischer Raum- und Stadtplanung und fragt, wie Zersiedelung zu stoppen und wie genügend Wohnraum bereitzustellen wäre.

Synopsis

Der Film ist ein autobiographisch gefärbter Essay, der sich aus Episoden zusammensetzt. Der autobiographische Zugriff erlaubt es, verschiedene Perspektiven zu plausibilisieren und einen roten Faden durch das Material zu finden. Der Film gründet in der klassisch-kognitiven Faktenebene, arbeitet aber stark mit satirischen Techniken, die dem Thema Leichtigkeit verleihen. Der Zugang des Autors zur Schweiz und zur eigenen Vergangenheit ist ironisch. Gerade weil der Autor eine Fülle unterschiedlicher Wohnsituationen, sozialer Lagen und ideologischer Vorlieben durchlaufen hat, kann der biographische Faden die verschiedenen Aspekte des Themas zusammenhalten. Dabei ist mit satirischen Techniken zu arbeiten, insbesondere mit Fallhöhen, die sich einerseits aus der Verwendung von Archivmaterial ergeben, andererseits durch die Konfrontation internationaler und helvetischer Formen des Umgangs mit Raum. Hört man mexikanische oder vietnamesische Stadtplaner ihre Herausforderungen beschreiben, dann erhalten die Erklärungen schweizerischer Behörden, warum sie eine Dachverzierung vorschreiben oder verbieten müssen, einen liebevoll-ethnologischen Touch. So sind wir halt, wir Schweizer!
Sieht man Grossintellektuelle von gestern pathetisch über Enge lamentieren und schneidet das gegen mit den heutigen Klagen über Dichtestress, dann kriegt beides diesen leicht komischen Anstrich.
Die Episoden oder Kapitel, haben unterschiedliche Tempi und Rhythmen. Das erlaubt, dem Gesamtbogen den nötigen dramaturgischen Schwung zu verleihen.

Crew

Mirjam von Arx

Produktion
Mirjam von Arx

Nach der Ringier Journalistenschule arbeitet von Arx während achtzehn Jahren als Redaktorin und Freelancerin für diverse deutschsprachige Magazine. 1991 zieht sie nach New York und produziert mit Polo Hofer den Roadmovie BLUESIANA. Neben regelmässigen Beiträgen fürs Schweizer Fernsehen, realisiert sie zwei Kurzdokumentarfilme für SF und Sat1. 2001 Umzug nach London und Aufnahme der Dreharbeiten für den Dokumentarfilm BUILDING THE GHERKIN. 2002 gründet sie die Produktionsfirma ican films gmbh. 2003 kommt mit ABXANG ihr erster Dokumentarfilm ins Kino. 2005 folgt BUILDING THE GHERKIN (CH, DE, U.K.). 2006/​7 produziert sie für Thomas Haemmerli den Dokumentarfilm SIEBEN MULDEN UND EINE LEICHE, der 2007 in die Kinos kommt. Der Film gewinnt den Zürcher Filmpreis 2007 und eine Nomination für den Schweizer Filmpreis 2008. Ihr Dokumentarfilm SEED WARRIORS kommt im Sommer 2010 in die Schweizer Kinos und wird 2011 für einen Internationalen Green Film Award der Cinema for Peace Gale in Berlin nominiert. Ihr jüngster Film VIRGIN TALES feiert im Frühjahr 2012 Kinopremiere, wird anlässlich des 2012 Starz Denver Film Festival für den Maysles Brothers Award nominiert, erhält beim Woodstock Film Festival 2012 eine lobende Erwähnung für den Schnitt von Sabine Krayenbühl und wird mit dem Zürcher Filmpreis 2012 ausgezeichnet. Von Arx neuster Kinodokumentarfilm I’M ALIVE befindet sich im Schnitt und wird 2014 fertiggestellt.

Thomas Haemmerli

Buch und Regie
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Geboren 1964, Journalist für Print und TV, einige Kurzfilme, viele Kolumnen, Konzepte sowie Kommunikationsaufträge aller Art, insbesondere TV- Inszenierungen für Abstimmungskampagnen.

Filmographie:

Regie:

“Fashion Rushes” mit M. Nicol, Experimentalfilm (1997)

“9 Kapitel für Ben oder Dokumentarfilm”, auf 16mm gefazt, im Kino als Vorfilm des Dokfilms „Besser und besser“
(1995)

“Fuck Helmut Lang”, Kurzfilm (1995)

“Durchstich Habsburgtunnel”, Industriefilm (1992)

“Crap Snow Groove”, Videodoku, (1992)

Filme an Festivals: Nyon, Kassel, Videofestival Freiburg, Forum Stadtpark Graz

Kamera:

“Haemmerli – ein Selbstporträt” von Luzia Schmid (1999)

In Daten:

2005 Koautor des Buches “Swissair-Mythos & Grounding” (Scalo/C-Films)

2005 Seit vielen Jahren Kolumnist u.a. für Schweizer Woche, NZZ, Kult z.Z. SonntagsZeitung.

2005 Mit Christoph Schuler Satirerubrik “60 Sekunden” in „Kulturplatz“ auf SF DRS.

2004 Medienarbeit für die Abstimmungskampagne “Zürcher Filmstiftung”

2003 Lobbyingkampagne gegen die Wiedereinführung der Polizeistunde.

2002 In der Kampagneleitung für die Abstimmung “Gold für AHV, Kantone und Stiftung”.

2002 Votez-Abstimmungsparty für die UNO-Vorlage

2000-2002 Paris-Korrespondent für SF DRS und als freier Journalist

1998-2000 Ressortleiter Thema-Bund bei der SonntagsZeitung.

1998 Subjektiver Dreh des eigenen Lebens für Luzia Schmids Film “Haemmerli – ein Selbstporträt”.

1996 Zusammen mit Udo Eling: Einakter fürs die Schauspielhaus Zürich Reihe “Scheitert die Schweiz?”

1996 vier Monate Gastreadaktor bei Zak/ARD in Köln

1997 Experimentalfilm (3h!) “Fashionrushes” mit Michelle Nicole, Schnitt Daniel Cherbuin.

1996 Gründung des Abstimmungsservice www.votez.ch, seither verantwortlich Ausrichtung und Tonalität.

1995 Kurzfilm “Fuck Helmut Lang”.

1994-98 Redaktor bei 10vor10, immer wieder Drehs mit der ersten Generation kleiner DVs.

1993/94 Werbung bei Studer & Partner.

1993 Chefredaktor CODE.

1992 Konzeption und Aufbau von CODE (Jugendmagazin auf Video) für den Tages-Anzeiger Verlag.

1992 Redaktor des Stadtmagazins Bonus.

1992 Realisation diverser Videodokumentationen (für Wirz und andere).

1988-2001 Gründung des Stadtmagazin NIZZA, dort Kolumnist und Filmkritiker

1987 Aufnahme eines Langzeitstudiums in Philosophie an der Uni Zürich (bei Lübbe und Kohler).

1986/87 Nach bestandener Jus-Zwischenprüfung 11 Monate Revolutions- und Guerilla-Tourismus in Lateinamerika.

1986ff Konzeption und Moderation diverser Sendungen bei Radio Lora, u.a. Gründung der Filmsendung “Filmriss”

1984-86 Jurisprudenz Uni Zürich.

1980ff Jugendbewegung, darauf rund zehn Jahre hyperaktiv in der radikalen Linken.

1964ff geboren und aufgewachsen in Zürich

Daniel Cherbuin

Schnitt

Daniel Cherbuin hat von der Pike auf Audio- und Videoelektronik gelernt. In den Anfängen des Privatfernsehens war er die kreative Kraft bei Sputnik-TV, einem innovativen und experimentellen Sendegefäss aus dem Zürcher Technountergrund. Seit Jahren setzt Cherbuin kongenial Musik in Clips und in Visuals für diverse Bands um, namentlich für Yello und für Division Kent. Diverse Kollaborationen mit Thomas Haemmerli für Kunst-, Experimental- und einen Kinofilm. Seit vielen Jahren bespielt Cherbuin das Schnittfeld von Off-Kunst und Untergrundparties mit seinen Video-Installationen. Dabei besticht Cherbuins Schaffen durch hochinnovative Montagen, eigenwillige Bildassoziationen sowie durch eine anarchische Grundhaltung: Mit Ironie und Persiflage verspottet Cherbuin das Aufgeblasene in Kommerz und Kultur und macht dem Hehren und Gewichtigen des Kunstbetriebes den Garaus.